Heute ein kleines, unübliches Format: Ich (Daniel) berichte über meinen Besuch an der Spielmesse in Essen (weltweit die größte ).
Allerdings ist dieser Beitrag hier mehr an Fachkräfte und Pädagog*innen gerichtet. Statt die Messeneuheiten zu beleuchten, möchte ich einige Talks kurz zusammenfassen, die ich dort gesehen habe.
Vielleicht regt euch der ein oder andere Einblick dazu an den dazugehörigen Vortrag anzusehen oder euch mit Spielen in der pädagogischen Arbeit auseinander zu setzen. Die Links in den Überschriften führen euch direkt zum Talk auf Youtube.
Media literacy & editorial policy in the board gaming world (engl.)
Speaker: Kenny Katayama (Brettspiel-Podcaster)
Kenny machte deutlich warum und wie Content Creators redaktionelle Richtlinien formulieren sollten. Die Einhaltung journlistischer Standards ist notwendig, damit die Zuschauer*innen ihre Voreingenommenheit (den Bias) richtig einordnen können. Er nannte auch positive Beispiele wie den podcast „so very wrong about games“, der seiner Offenlegungspflcht nicht nur nachkommt, sondern sie auch aktiv im Podcast diskutiert.
Es wurde nicht direkt erwähnt, aber ich gehe davon aus hier sind Diskussionen darüber gemeint welche Spiele zur Verfügung gestellt wurden, welche Absprachen es für Placements gibt etc.
NEW LEADERSHIP – Was Gamer UND Nerds anders machen und so eine positive Arbeitskultur schaffen
Moderation: Jasmin Deniz Karatas (Speakerin [Nerd Kultur, Gaming, Anime], jaykays_life auf Instagram)
Speaker: Carol Rapp (Geschäftsführerin Merz Verlag, verantwortet die SPIEL Essen)
Laura Prinz (Wirtschaftspsychologin, IT-Strategie bei der BMW Group)
Sabrina Ehret-Hunn (Teamleiterin Digital/Online & Social Media bei DASDING [Jugendangebot des SWR, SR und hr])
Die vier schlugen die Brücke von privaten Spielerfahrungen über Kompetenzen, die sie dort aufgebaut haben und nun in ihrer Tätigkeit in einer Führungsposition zum Tragen kommen. Mir war die Moderation etwas zu quirlig, aber die Speakerinnen waren sehr bodenständig und konnten ihre Ansichten gut greifbar machen. Carol hat vor allem Eigenständigkeit, Problemlösungskompetenzen und Vertrauen in die Mitarbeitenden hervorgehoben – weil sie nicht alle Prozesse der Messevorbereitung überwachen kann.
Laura leitete aus ihren Erfahrungen bei der Leitung einer World of Warcraft Gilde ab, dass schnelles Feedback, klare Rollenverteilung und die Übergabe von Verantwortung dort in einem geschützten Raum geübt werden können.
Sabrina erläuterte unter anderem den Unterschied zwischen „Zielgruppe“ und „Community“ in der Adressierung. Während sich eine Zielgruppe verhältnismäßg schnell erreichen lässt (Schule, Kita etc; Primär durch harte Fakten wie das Alter definiert), ist eine Community (die sich durch eine gemeinsame Interesse definiert) schwerer zu adressieren. Da muss zunächst Vertrauen geweckt und die Leidenschaft angesprochen werden.
SERIOUS FUN, MEANINGFUL PLAY – SENSIBLE THEMEN SPIELBAR MACHEN
Speaker: Michael Geithner (Geschäftsführer Playing History)
Michael berichtet über einige seiner Projekte sowie über Chancen und Hürden beim Einsatz von Spielen in der Schule. Er macht deutlich, dass das Spielen bei den Kindern personale und soziale Komptenzen fördert. An verschiedenen Beispielen zeigt wie sie als Impulsgeber eingesetzt werden können, Perspektivwechsel ermöglichen und wie das Spieldesign
die pädagagogischen Zielstellungen unterstützt. Sein Verlag Playing History konzentriert sich auf Produkte, die in Schulen oder Bildungseinrichtungen zum Einsatz kommen. Stöbert gern mal auf https://playinghistory.de/ bei den Projekten oder im Shop.
Nachfolgend einige Beispiele, die mir beim Überfliegen schonmal ins Auge gesprungen sind. „Spuren aus Papier“ hatten wir auch im Rahmen unserer Spielegalerie „Nationalsozialismus und Games“ im Einsatz.
- The Feed (Algorithmen und Social Media)
- ToleranzRäume (Toleranz)
- Rebelcatz (Hatespeech)
- Chat mit Esther (Antisemitismus)
Was genau machen Fachkräfte für Gesellschaftsspiele? – Die Brettspielakademie stellt sich und drei ausgewählte Projekte vor
Moderation: Christina Valentiner-Branth [Moderation] (Leiterin der Brettspielakademie, Geschäftsführung Bildungsinitiative Spielstarke Schule)
Speakerinnen: Anna Viktoria Hoffmann (Bibliothekarin), Beate Betschler (Sozialpädagogin), Mareike Rathke (Ergotherapeutin), Vera Heimann (Physiotherapeutin)
In diesem Panel berichten die Fachkräfte vom Einsatz von Spielen in ihren jeweiligen Berufsfeldern: Spiele-Workshops und -abende in der Stadtbücherei, Gesellschaftsspiele in der Schule, Spielrunden in einer Tagesstätte für psychisch Erkrankte und im Bereich der Physiotherapie. Zentrale Punkte bei der Ausbildung in der Brettspielakademie und in der fachlichen Arbeit mit Brettspielen ist die Abstimmung der Spiele auf die Zielgruppe und das pädagogische Ziel. Unter diesen Aspekten will auch die Initative Spielstarke Schule
verschiedene Brettspiele beleuchten, bietet Webinare zu ihrem Einsatz und stellt Startpakete für Schule zusammen.
KONTROVERSEN IM SPIEL SICHTBAR MACHEN: WIE BRETTSPIELE URTEILSBILDUNG FÖRDERN
Speaker: Daniel Hitzing und Erik Robert (Gymnasiallehrer und Gründer von Didact Games)
Die Gründer von DidactGames stellen vor am Beipsiel ihres Spiels Fangfrage vor, wie Urteilsbildung spielerisch mit einer Schulklasse im Unterricht gefördert werden kann. Im Verlauf des Panels wird am Beispiel die politische Urteilsbildung nach Massing erläutert.
Hauptsächlich wird man hier mitgenommen, wie die Durchführung des Spiels Fangfrage mit der Schulklasse abläuft, was diskutiert wird, worauf zu achten ist etc. Die beiden Lehrer kümmern sich um ihren Verlag https://didact-games.de neben ihrer Tätigkeit an der Schule.
Sie haben bisher ausschließlich Spiele und Materialien zu ihren Fächern (Deutsch, Geschichte, Sozialwissenschaft, Biologie, Englisch) erarbeitet und verlegt. z.B. Fangfrage
Die Talks bei Youtube
Eine Übersicht über alle Talks findet ihr auf der Website der Spielmesse Essen.
Das Programm wurde komplett aufgezeichnet (aber es gibt leider keine Timestamps).
Hier die Youtubelinks: Tag 1, Tag 2, Tag 3, Tag 4
Projekt G von CORRECTIV
Kein Talk, aber trotzdem erwähnenswert ist das Spiel von „Projekt G“ von Correctiv.
Die, für ihren investigativen Journalismus bekannte udn vielfach ausgezeichnete Redaktion stellte auf der Messe an einem Stand ein Spiel für die Bildungsarbeit vor. Die Spieler*innen müssen hier Hinweisen folgen und Fakten prüfen um möglichst schnell herauszufinden was es mit der anonymen Einladung zu einem geheimen Treffen auf ich hat.
Correctiv möchte damit „Wissen ohne Lerndruck – und nah an der journalistischen Praxis“ vermitteln.
